Alternsforschung – Hilfe jenseits der Medizin

Ein intaktes soziales Umfeld hilft entscheidend dabei, auch im Alter gesund zu bleiben. Monkey Business - Fotolia.com

Ein intaktes soziales Umfeld hilft entscheidend dabei, auch im Alter gesund zu bleiben. Monkey Business – Fotolia.com

Immer mehr Menschen werden immer älter – das ist eine Herausforderung und eine Chance für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen. Zugleich ist es ein Menschheitstraum, lange zu leben. In der Öffentlichkeit stehen oftmals noch  Alterskrankheiten und Vorsorge im Vordergrund, sowie die Kosten für die sozialen Sicherungssysteme. Wenig bekannt sind dagegen die steigende Lebensqualität und bessere Gesundheit der Älteren sowie veränderte Rollen und die erweiterten Gestaltungsmöglichkeiten eines längeren Lebens. Wenn es um Lebensqualität im Alter geht, denken viele immer noch an Medikamente, technische Hilfsmittel, vielleicht noch an Vorsorge. Doch Altern ist nicht nur eine Frage des Körpers, des Geistes und der Gesundheit.  Der Patient der Zukunft wird in jedem Alter auch durch eine Anpassung seines Wohn- und Arbeitsumfelds, seiner sozialen Aktivitäten und seiner gesellschaftlichen Teilhabe „behandelt“ werden müssen und selbst handeln. Denn die Alternsforschung belegt, dass sich all diese Faktoren auf die Gesundheit, die Lebenserwartung und auch den Verlauf von Krankheiten wie Demenz auswirken.

So sinkt beispielsweise das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, wenn man lebenslang mit intellektuell anregenden Aktivitäten befasst, gut in sein soziales Umfeld integriert und regelmäßig sportlich aktiv ist. Die Alternsforschung hat zudem darauf hingewiesen, dass die Lebenserwartung vom Einkommen und Bildungsniveau abhängt. Eine erzwungene Frühverrentung kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken, eine glückliche Ehe ist förderlich. Lieben, lernen, laufen – so lautet die Faustformel für eine möglichst wirkungsvolle Prävention.

Die alternde Gesellschaft bietet dafür aber noch nicht immer die besten Voraussetzungen, zudem sind die Gegebenheiten regional sehr verschieden. Altsein bedeutet in Mecklenburg-Vorpommern etwas anderes als in Baden-Württemberg. Wie man die berufliche und wie die nachberufliche Zeit gestaltet, wie die kommunale Infrastruktur aussieht und welche Bildungsangebote es gibt, wie weit der nächste Arzt entfernt ist, ob die eigenen Kinder und Enkel in der Nähe leben, wie gut das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ist, das die Wahrnehmnung von Kulturangeboten ermöglicht – all das wirkt sich auf die Lebensqualität aus, und damit auch auf die Frage, welche Rahmenbedingungen der Patient der Zukunft braucht.

Dazu gehört auch, den Altersbegriff neu zu definieren und der älteren Generation deutlich zu machen, dass sie gebraucht und geschätzt wird, sie aktiv einzubeziehen in die gesellschaftliche Gestaltung. Neue Erwerbsformen, neue Wohnmodelle wie Mehrgenerationenhäuser sind ein Beispiel dafür, auch das ehrenamtliche Engagement von Rentnern. Es ist eine intensiv beforschte Frage, wie Lebensumstände und –verläufe, Prävention und erfülltes Altern mit einander zusammenhängen. Und es ist eine dringliche Aufgabe, Altern und Krankheit in der öffentlichen und individuellen Wahrnehmung zu entkoppeln.