Die Risiken der Personalisierten Medizin

 

Bessere Medikamente, aber längst nicht für alle - das könnte eine Folge der Personalisierten Medizin sein. Foto: vege - Fotolia.com

Bessere Medikamente, aber längst nicht für alle – das könnte eine Folge der Personalisierten Medizin sein. Foto: vege – Fotolia.com

„Eine neue Ära“, „eine Revolution“, „ein Durchbruch“ – die Möglichkeiten der Personalisierten Medizin scheinen endlos. Doch zum Allheilmittel wird sie nicht werden. Die Kosten sind noch sehr hoch, die Wirksamkeit ist oftmals umstritten. Der neue Ansatz bringt weitere Probleme mit sich.

Auch wenn das menschliche Erbgut mittlerweile komplett entschlüsselt ist, sind die komplexen Vorgänge, die sich in den Zellen abspielen, für die Forscher nach wie vor schwer zu verstehen. Welche Gene unter welchen Umständen bei welchen Patienten welche Krankheiten auslösen – das lässt sich bisher nur in sehr wenigen Fällen sagen.

Die Entwicklung entsprechender Medikamente dauert deshalb lange und ist teuer. Es ist denkbar, dass sich Forschung und Pharma-Hersteller zuerst auf Krankheiten konzentrieren, deren Behandlung besonders dringend oder lukrativ ist. Wer an dieser Krankheit leidet und zu einer Gruppe gehört, für die nach Biomarker-Tests bereits Medikamente entwickelt wurden, darf auf eine stark verbesserte Therapie hoffen. Alle anderen profitieren vorerst nicht von diesem Fortschritt.

Wegen der Komplexität der Vorgänge in den Zellen ist auch die Effektivität der Personalisierten Medizin umstritten. Sie wird derzeit von vielen Pharma-Unternehmen als Heilsbringer gepriesen. Entsprechend viel Geld fließt gerade in die Forschung. Doch womöglich könnten sich mit ähnlichem finanziellen Einsatz in anderen Bereichen bessere Ergebnisse für die Patienten erzielen lassen. Zudem ist die Frage offen, anhand welcher Daten entschieden werden soll, ob eine neue Behandlung so vorteilhaft ist, dass die Kosten dafür von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden sollen. Nur dann käme sie wirklich einer großen Zahl von Patienten zugute.

Diskutiert wird, neben den Kosten und den Erfolgsaussichten, auch der Datenschutz. Wird das Genom eines Patienten entschlüsselt, um ihn besser behandeln zu können, entstehen hoch sensible Daten. Diese müssen einerseits gespeichert und abgeglichen werden, um Merkmale für Krankheiten zu erkennen. Andererseits sollten die Daten nicht in die Hände von Arbeitgebern oder Versicherungen geraten, die ein großes Interesse an einem Gen-Profil ihrer Mitarbeiter oder Kunden haben dürften.

Nicht zuletzt stellen die neuen Möglichkeiten auch Ärzte und Patienten vor Herausforderungen. Wenn in einer Genom-Analyse etwa ein besonderes Risiko für Eierstockkrebs entdeckt wird, könnte die Patientin die Eierstöcke entfernen lassen und damit sicher sein, niemals zu erkranken. Es kann aber auch sein, dass sie trotz ihrer besonderen Veranlagung ohnehin niemals erkrankt wäre. Dann war die Operation mit all ihren Folgen überflüssig.