Der erste „Tauchgang“ in Heidelberg

Wie sieht die Zukunft der Medizin aus? Was kann Gentherapie leisten? Welche Hoffnung gibt es im Kampf gegen Krebs? Die Teilnehmer der „Tauchgänge in die Wissenschaft“ beschäftigten sich zum Auftakt des Kollegs in Heidelberg mit diesen und anderen Fragen.

Unter dem Titel „Der Patient der Zukunft – Wie Gentechnik und Alternsforschung die Medizin verändern“ lernen die Teilnehmer, die aus einer großen Zahl an Bewerbern ausgewählt wurden, in vier Seminaren aktuelle Spitzenforschung, die Rahmenbedingungen der Wissenschaft und wichtige Recherchewerkzeuge kennen.

Im ersten Seminar in Heidelberg standen an drei Tagen beispielsweise Besuche in Laboren, Vorträge, ein Workshop und eine Podiumsdiskussion auf dem Programm. Am Ende standen viele neue Einblicke, spannende Erkenntnisse, die Begegnung mit faszinierenden Experten – und viele neue Fragen rund um den „Patienten der Zukunft“ , die in den weiteren Seminaren beantwortet werden sollen.

Leopoldina-Präsident Prof. Dr. Jörg Hacker ging in seiner Dinner Speech zum Auftakt des Seminars der Frage nach, wie sich die Molekularbiologie auf die Suche nach den Grundlagen des Lebens macht. Er zeigte auch auf, wie schwierig eine wissenschaftliche Definition von „Leben“ ist und welche Möglichkeiten die synthetische Biologie eröffnen könnte. 

Die Teilnehmer erlebten am European Molecular Biology Laboratory (EMBL), wie Grundlagenforschung in der Molekularbiologie abläuft und wie deren Erkenntnisse zum Wohle des Patienten genutzt werden können. Prof. Dr. Matthias Hentze, Vizedirektor am EMBL, gab einen anschaulichen und spannenden Überblick über die Arbeit der Wissenschaftler. Dr. Peer Bork erklärte, wie rasant die Forschung neue Erkenntnisse über die Bedeutung von Darmbakterien gewinnt. Dr. Jan Korbel führte aus, wie sich aus der Grundlagenforschung und dem Einblick ins Erbgut neue Behandlungsansätze im Kampf gegen Krebs entwickeln könnten. Danach hatten die Journalisten Gelegenheit, auch einmal selbst im Labor durchs Mikroskop zu schauen oder die Geräte zur Genomsequenzierung zu bestaunen.

In einer Podiumsdiskussion wurden ethische und juristische Bedenken bei der Behandlung von Patienten auf der Grundlage von Erbgutinformationen oder mittels Gentherapie debattiert. Moderiert wurde die Diskussion von Joachim Müller-Jung, Leiter des Ressorts „Natur und Wissenschaft“ bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, der zuvor bereits gemeinsam mit Thomas Hallet, Programmgruppenleiter Wissenschaft beim WDR, einen Workshop geleitet hatte. Darin erhielten die Teilnehmer Tipps aus der Praxis zu gutem Wissenschaftsjournalismus.

Zum Abschluss des Seminars waren die Journalisten am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) vor Ort. Prof. Dr. Otmar Wiestler, Wissenschaftlicher Stiftungsvorstand und Vorstandsvorsitzender am DKFZ, erklärte das Zusammenspiel der verschiedenen Forschungsinstitutionen in Heidelberg im Kampf gegen Krebs und zeigte auf, welche Möglichkeiten sich bei der Therapie künftig bieten könnten. Prof. Dr. Christof von Kalle, Sprecher des Direktoriums des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT), erläuterte mit interessanten Beispielen und aktuellen Daten, wie Grundlagenforschung in Anwendung übergeht und sie mit Behandlung und Beratung am NCT zusammenfließt.

Das zweite Seminar des Kollegs, in dem Grundlagen, Chancen und Risiken der Prädiktiven Genetischen Diagnostik behandelt werden, findet vom 25. bis 27. April 2013 in Stuttgart statt.

Bilder vom ersten Seminar der „Tauchgänge“ gibt es hier.