Prof. Urban Wiesing

Ab wann sind wir krank?

Urban Wiesing Foto: Leopoldina

Jeder Mensch trägt etwa 400 Gendefekte in sich, die meisten davon wirken sich nie auf die Gesundheit aus. Gelten wir künftig durch genetische Diagnostik trotzdem alle als krank? Oder sind wir bloß unvollkommen? Urban Wiesing geht dieser Frage nach.

Wiesing wird dabei vor allem betrachten, wie neue Diagnosemöglichkeiten unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit insgesamt verändern und wie sich die Vorstellung davon, was als „gesund“ oder „krank“ gilt, im Laufe der Menschheitsgeschichte bereits gewandelt hat.

Seit 2002 ist Wiesing Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Tübingen. Die Bedeutung des Krankheitsbegriffes hat er immer wieder kritisch analysiert und seine Funktion in der Mittelverteilung im Gesundheitswesen relativiert. Seit April 2001 ist er Mitglied der „Zentralen Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren Grenzgebieten“ bei der Bundesärztekammer, seit 2004 deren Vorsitzender.

Urban Wiesing studierte Medizin, Philosophie, Soziologie und Geschichte der Medizin in Münster und Berlin. 1987 wurde er zum Dr. med., 1995 zum Dr. phil. promoviert. Schwerpunkte seiner Arbeit sind das Verhältnis von Philosophie und Medizin, die ethischen Aspekte moderner Technologien in der Medizin, die ärztliche Professionsethik und die Forschungsethik.