Alzheimer kann man vorbeugen

Freizeitwoche, 8. Mai 2013

Kollegiaten berichten: Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Petra Schrand, eine der Kollegiatinnen der „Tauchgänge in die Wissenschaft“, erklärt in ihrem Beitrag die Ursachen und Folgen der Krankheit. Sie erklärt zudem, mit welchen Maßnahmen man vorbeugen kann.

Ab und zu etwas zu vergessen, ist normal. Wo der Hausschlüssel liegt, entfällt vielen  Menschen immer wieder. Aber wenn die Vergesslichkeit zunimmt, wird es schwierig. Professor Dr. Michael Heneka, Neurologe an der Universität Bonn, rät: „Wenn einem selbst auffällt, dass man sich deutlich weniger merken kann als früher, und wenn diese Vergesslichkeit den Alltag spürbar behindert, dann sollte man zum Arzt gehen.“

Vielleicht ist es Alzheimer, die mit 60 Prozent häufigste Form der verschiedenen Demenz-Erkrankungen. Aber die Vergesslichkeit kann auch Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schilddrüsenproblemen, speziellem Vitaminmangel, Depressionen oder Tumoren sein. Experte Heneka: „Wer sich nicht untersuchen lässt, verpasst die Möglichkeit einer Behandlung.“ Seiner Meinung nach profitiert aber auch ein Alzheimer-Patient von der Diagnose, denn dieser kann das Zeitfenster bis zum Versagen der Gehirnfunktion nutzen, seine Dinge zu ordnen, sich noch Wünsche zu erfüllen – und auch, von den vorhandenen Therapiemöglichkeiten zu profitieren.

Bei Alzheimer passieren mehrere Dinge im Kopf, den man sich am besten wie eine Haus vorstellt. Der Hippocampus, das ist der Sitz des Kurzzeitgedächtnisses, ist wie ein Tor. In diesem Eingangsbereich landet alles von außen, wird aber sofort in die Zimmer – also ins Langzeitgedächtnis – weitergeleitet. Zum Beispiel Kartoffeln in die Küche, die Schwiegertochter ins Wohnzimmer. Dieser Hippocampus wird bei Alzheimer langsam und unwiderruflich zerstört, weil sich Eiweiße an die Nervenzellen anlagern. Die Folge ist wie ein Haus ohne Tor – nichts geht mehr hinein. Damit ist zum einen das Kurzzeitgedächtnis kaputt – der Kranke weiß nicht mehr, dass er gerade Kartoffeln gekauft oder mit der Schwiegertochter geredet hat. Und zum anderen ist auch der Weg zu den Zimmern verbaut – nichts gelangt mehr ins Langzeitgedächtnis. Der Verlust gräbt sich Stück für Stück, Nervenzelle für Nervenzelle, in die Vergangenheit zurück.

Was kann man zur Vorbeugung tun?

Bluthochdruck einstellen. Hoher Blutdruck, der bekanntermaßen für Schäden rund ums Herz sorgt, schädigt auch die feinen Gefäße im Gehirn und begünstigt so Demenzerkrankungen.

Übergewicht senken. Heneka: „Fettleibigkeit reduziert die Verbindung zwischen den Nervenzellen. Übergewicht, vor allem im mittleren Lebensabschnitt, birgt ein vierfach erhöhtes Risiko für Demenz.“ Wichtig: Wer schon an Demenz leidet, darf nicht mehr abnehmen, das würde den Krankheitsverlauf beschleunigen.

Kopfverletzungen vermeiden. Den Fußball köpfen, boxen – das ist nicht gut. Heneka empfiehlt, seinen Kopf vor Schlägen und Stößen zu schützen und beispielsweise beim Radfahren einen Helm zu tragen. 

Das Gehirn fordern. Ein hoher Ausbildungsstand bildet eine Art kognitiver Reserve – wer Spatzen, Meisen, Buchfinken und weitere Arten kennt, kann sich bei Wortverlusten länger behelfen als einer, der immer nur „kleiner Vogel“ sagte. Gehirntrainingsspiele wie Memory, Scrabble oder Kreuzworträtsel sind am besten, wenn sie gemeinsam mit anderen geübt werden. Aber: Wer schon Alzheimer hat, sollte damit nicht gequält werden. Dem Kranken wird nur vorgeführt, was er nicht mehr kann, das macht depressiv oder aggressiv.

Medikamente können die Erkrankung etwa ein Jahr aufhalten. Heneka: „Wir wissen heute, dass Alzheimer mindestens zehn Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome schleichend beginnt. Deshalb wirken wohl unsere Medikamente bei der Diagnosestellung nicht mehr so gut – schon zerstörte Nervenzellen können nicht repariert werden.“

Heneka forscht am Deutschen Zentrum für Degenerative Erkrankungen daran, inwieweit Entzündungsprozesse zum Krankheitsgeschehen beitragen. Andere Gruppen  untersuchen, ob therapeutische Impfungen das Immunsystem dazu bringen können, die Eiweißablagerungen im Gehirn zu bekämpfen. Alzheimer ist eine große Herausforderung für unsere alternde Gesellschaft.