Wenn Brustkrebs in der Familie liegt

Freizeitwoche, 31.Juli 2013

Kollegiaten berichten: Pro Jahr erhalten 72.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Das Risiko, zu erkranken, beträgt etwa zehn Prozent. Doch bei Frauen, die bestimmte Genveränderungen geerbt haben, ist die Gefahr deutlich größer. Petra Schrand, eine der Kollegiatinnen der „Tauchgänge in die Wissenschaft“, stellt vor, auf welche Alarmsignale Frauen achten sollten.

Jeder kennt eine Frau, die an Brustkrebs erkrankt ist. Kein Wunder, jährlich erhalten 72.000 Frauen diese Diagnose. Auf die gesamte Lebenszeit gerechnet trägt jede Frau ein Risiko von zehn Prozent, an diesem Tumor zu erkranken. Das Haupterkrankungsalter liegt um das sechzigste Lebensjahr, deshalb erstreckt sich das Mammographieprogramm der gesetzlichen Kassen auf die Jahre zwischen 50 und 70.

Daneben gibt es Sonderfälle – da liegt Krebs in der Familie. Dr. Kerstin Rhiem, leitende Oberärztin am Zentrum für familiären Brustkrebs der Universitätsklinik Köln, erklärt: „In fünf bis zehn Prozent der Fälle ist Brustkrebs durch die Gene bedingt. Eine Veränderung im BRCA1- oder BRCA2-Gen führt dazu, dass die Frauen deutlich früher erkranken. Ihr Risiko kann auf bis auf 60 Prozent ansteigen.“

Wenn eine Tante mit 66 krank wurde, ist das kein Grund zur Sorge. Hellhörig werden Ärzte bei einem dieser acht Kritierien, die vom deutschen Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs festgelegt wurden:

  • drei Frauen mit Brustkrebs in der Familie
  • zwei Frauen mit Brustkrebs, davon eine vor 51
  • eine Frau mit Brust-, eine mit Eierstockkrebs
  • zwei Frauen mit Eierstockkrebs
  • ein Mann mit Brustkrebs
  • eine Frau mit Brustkrebs vor dem 36. Geburtstag
  • eine Frau mit Brustkrebs auf beiden Seiten, Erstdiagnose vor 51
  • eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs.

Frauen aus solchen Risikofamilien sollten sich beraten lassen, ob ein Gentest sinnvoll ist.

Dr. Rhiem: „Gesucht wird nach Veränderungen in den BRCA-Genen. 2010 und 2011 sind weitere Risikogene entdeckt worden, RAD51C und -D. Diese sind seltener verändert.“

Gesunde Frauen, die eine Genveränderung in sich tragen, müssen sich entscheiden: Entweder gehen sie in das intensivierte Früherkennungsprogramm oder sie lassen sich vorbeugend das gesunde Brustgewebe entfernen. Rhiem: „Etwa 80 bis 90 Prozent entscheiden sich für die enge Früherkennung, 10 bis 20 Prozent für die Operation. Mit den vielen Daten, die wir haben, können wir jeder Frau so viele Informationen für ihr persönliches Risiko geben, dass sie eine tragfähige Entscheidung treffen kann.“ Die Oberärztin weiter: „Panik ist ein schlechter Ratgeber – die Frauen haben Zeit, sich einen Plan zu machen.“

Dafür kann man sich auch weiteren Rat holen. Andrea Hahne, selbst BRCA1-Genträgerin und Vorsitzende des BRCA-Netzwerks, sagt: „Typische Fragen der Frauen, die sich an uns wenden, sind: Ist eine Erblichkeit bei mir wahrscheinlich? Wohin soll ich mich wenden? Soll ich den Gentest machen lassen? Wie sieht die Brust nach einer vorbeugenden Operation aus?“

Auch Hahnes Tochter hat den Gentest machen lassen. Nach der Krankheit der Mutter brauchte sie Klarheit für sich selbst. Hahne: „Der Test hat meine Tochter entlastet – sie trägt keine Mutation auf BRCA1.“

Risikofamilien sollten sich an eines der 15 Zentren des Konsortiums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs wenden. Diese sind in Berlin, Düsseldorf, Dresden, Göttingen, Hannover, Heidelberg, Kiel, Köln/Bonn, Leipzig, München, Münster, Regensburg, Ulm, Tübingen und Würzburg. In diesen Zentren arbeiten Frauenärzte, Genetiker und Psycholgen eng zusammen – und sie tauschen sich auch überregonal aus. Insgesamt sind dort schon 28.000 Frauen untersucht oder behandelt worden. Wer hier nach einem Gentest in das Früherkennungsprogramm aufgenommen wird, erhältlich zweimal jährlich eine Ultraschalluntersuchung, einmal jährlich eine Magnetresonanzuntersuchung (MRT) und im Bedarfsfall Mammographien. 81 Prozent der Tumoren werden in dieser engmaschigen Kontrolle so früh entdeckt, dass sie geheilt werden. Die Adressen der 15 Zentren gibt es unter http://www.krebshilfe.de/wir-helfen/adressen/familiaerer-krebs/brustkrebszentren.html.