Eine lohnende Begegnung für beide Seiten

Kollegiaten berichten: Christian Schafmeister, stellvertretender Ressortleiter Sachsen-Anhalt/Wirtschaft bei der Mitteldeutschen Zeitung, ist einer der Teilnehmer am zweiten Zyklus der „Tauchgänge in die Wissenschaft“. In seinem Gastbeitrag schildert er, was er sich vom Journalistenkolleg erhofft und welche Eindrücke er vom ersten Seminar zum Thema Klimawandel und erneuerbare Energien in Bremerhaven und Bremen mitgenommen hat.

Im Eislabor bei -26°C wird mit Eisbohrkernen aus der Antarktis gearbeitet. Foto: Tim Dierks

Im Eislabor bei -26°C wird mit Eisbohrkernen aus der Antarktis gearbeitet. Foto: Tim Dierks

Mit Wissenschaftlern zu reden, ist mitunter anstrengend. Sagen viele Journalisten. Schwierig ist vor allem, manch Forscher freundlich, aber bestimmt dazu zu bringen, komplizierte Themen einfach zu erklären. Nicht für die Kollegen vom Fach, sondern letztlich den Zeitungsleser am Frühstückstisch oder den Radiohörer im Auto. Mit wenig Fachbegriffen, dafür lebensnahen Vergleichen und Bildern.

Mit Journalisten zu reden, ist mitunter anstrengend. Sagen umgekehrt auch viele Wissenschaftler. Oft fehle das Vorwissen. Und die vermeintlich flotte Überschrift, so eine weitere oft formulierte Klage, treffe das Problem eben nur zum Teil. Zudem hinke der Vergleich, den der Journalist bemüht. Und kaum hat man einem Zeitungsredakteur seine Fragen (und Nachfragen!) in einem langen Gespräch beantwortet, will der Kollege vom Radio alles nochmals in 90 Sekunden hören.

Es kann aber auch ganz anders laufen. Vor allem, wenn sich Wissenschaft und Journalismus aufeinander einlassen. Genau das erlebten im November 2013 die 15 Journalisten, die an der zweiten Auflage der „Tauchgänge in die Wissenschaft“ teilnehmen. Die vier Seminare, die bis Mitte 2015 geplant sind, stehen unter dem Motto „Antworten auf den Klimawandel. Forschung für eine nachhaltige Energieversorgung“. Das Motto allein – um ehrlich zu sein – sagt alles und nichts. Doch vor Ort wurde es schnell erfreulich konkret.

Im Eislabor des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven etwa erfuhren wir, dass die dort gelagerten Eiskerne auch Aufschluss darüber geben, wie hoch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre vor 800 000 Jahren gewesen ist. Möglich machen solche Rückschlüsse die kleinen Luftbläschen, die sich irgendwann unter dem Druck der Eisdecke abgekapselt haben. Der Clou: Die Gaskonzentration in den Bläschen entspricht exakt der Konzentration in der Atmosphäre zum Zeitpunkt des Einschlusses im Eis. Damit sind die Eiskerne so etwas wie ein Klimaarchiv der Erdgeschichte.

Ein solches lagert auch im MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Uni Bremen. Hier geht es nicht um Eis, sondern um Bohrkerne aus den Tiefen des Meeresbodens. Auch sie bringen Überraschungen wie eine kleine Schicht, die einen Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren im Golf von Mexiko belegt.

Tausende Sedimentkerne werden am MARUM aufbewahrt und als Klimaarchiv genutzt. Foto: Patrick Klügel

Tausende Sedimentkerne werden am MARUM aufbewahrt und als Klimaarchiv genutzt. Foto: Patrick Klügel

Zwei Beispiele, ein Thema: Archive der Erdgeschichte. Damit waren die Idee und der rote Faden für die Geschichte geboren. Doch die Vorträge an den drei Tagen, die dieses Motiv aufgreifen, reichen allein nicht. Es gibt Nachfragen. Und zum Glück Forscher, die nicht nur darauf Antworten geben. Einige zaubern (ungefragt!) auch die Vergleiche und Bilder aus dem Ärmel, auf die Journalisten für eine verständliche Geschichte angewiesen sind. Und manch ein Forscher hilft (ganz uneitel) bei der Entwicklung des Themas: „Sie können meinen gesamten Vortrag wieder vergessen, aber diese Grafik sollten sie sich merken!“ So etwas macht Eindruck bei Journalisten. Doch umgekehrt sind auch Wissenschaftler oft positiv überrascht über die Beiträge, die am Ende erscheinen. „Das haben sie wirklich schön zusammengeschrieben“, heißt es dann. Was klingt wie eine Mischung aus Erleichterung (alles ist richtig!) und Bewunderung (toll, so hätten wir dieses Thema niemals präsentiert).

Es lohnt sich also für beide Seiten, sich immer wieder neu kennenzulernen und im Gespräch zu bleiben. Anfang April ist es wieder so weit, beim zweiten Seminar der „Tauchgänge“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und am Deutschen GeoForschungszentrum. Wir sind gespannt!

Hier gibt es den Beitrag, den Christian Schafmeister über die Forschung am Alfred-Wegener-Institut und am MARUM verfasst hat.