Seminar 4 in Boston und Cambridge: Cutting Edge in biomedical science

Zum Abschluss des Kollegs in Boston waren die Teilnehmer unter anderem am Whitehead Institute zu Gast. Foto: Karsten Möbius

Zum Abschluss des Kollegs in Boston waren die Teilnehmer unter anderem am Whitehead Institute zu Gast. Foto: Karsten Möbius

In Boston fand der erste Zyklus des Journalistenkollegs „Tauchgänge in die Wissenschaft“ seinen Abschluss. An drei Tagen erlebten die Teilnehmer „Cutting Edge in Biomedical Science“.

Wohl an keinem anderen Ort der Welt gibt es im Bereich der Lebenswissenschaften eine vergleichbare Ballung von exzellenten Forschern, renommierten Institutionen und innovativen Unternehmen wie rund um Harvard, MIT und das Massachusetts General Hospital. Boston war somit der ideale Standort für den Abschluss des Kollegzyklus „Der Patient der Zukunft. Wie Gentechnik und Alternsforschung unsere Medizin verändern“. Hier erfuhren die Teilnehmer vom 1. bis 3. Mai 2014 unter anderem, welche Veränderungen die Personalisierte Medizin in therapeutischer, technologischer und wirtschaftlicher Hinsicht mit sich bringt. Sie lernten einige der treibenden Kräfte der Forschung kennen und diskutierten in dem dreitägigen Seminar auch den Stellenwert der deutschen und europäischen Forschung im internationalen Vergleich.

Am ersten Seminartag waren die 15 Journalisten am Richard B. Simches Research Center des Massachusetts General Hospital zu Gast. Gary Ruvkun stellte den Teilnehmern die Zusammenhänge von Genetik und Langlebigkeit vor. Im Anschluss wurde in einer Podiumsdiskussion die Frage gestellt, wie die optimalen Rahmenbedingungen aussehen müssen, um Grundlagenforschung in den klinischen Alltag überführen zu können. Jeanne Ruber, Ressortleiterin Wissenschaft beim Bayerischen Rundfunk (Hörfunk) moderierte die Runde, an der Vamsi Mootha, Department of Molecular Biology, Massachusetts General Hospital, Nobelpreisträger Phillip A. Sharp, David H. Koch Institute for Integrative Cancer Research, Massachusetts Institute of Technology, und Ralph Weissleder, Director Center for Systems Biology, Massachusetts General Hospital, teilnahmen.

Am Massachusetts General Hospital konnten die Teilnehmer dann einen Blick hinter die Kulissen werfen: Am Francis H. Burr Proton Therapy Center erfuhren sie unter anderem, wie mit Protonenbestrahlung die Krebstherapie verbessert werden kann. Beim Rundgang durch das Translational Therapy Center wurde deutlich, welche Rolle das Genom des Patienten bei der integrierten Krebsforschung spielt.

Zum Abschluss des ersten Seminartags in Boston diskutierten Michael Gilmore, Department of Ophthalmology, Harvard Medical School, Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, und John Mekalanos, Chairman of the Department of Microbiology and Immunobiology, Harvard Medical School, über ethische Fragestellungen in den Lebenswissenschaften. Unter anderem wurde die Problematik des Dual Use diskutiert, zudem die Frage, ob wir uns in heiklen Fragen auf eine individuelle Verantwortung des einzelnen Wissenschaftlers beschränken oder auch eine institutionelle Ethik der Verantwortung anstreben sollten. Moderiert wurde die Debatte von Joachim Müller-Jung, Ressortleiter Wissenschaft bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Am Whitehead Institute begann der zweite Seminartag. Robert A. Weinberg, Faculty Member des Instituts, präsentierte den Teilnehmern der „Tauchgänge in die Wissenschaft“ neue Ansätze in der Krebsforschung. Rudolf Jaenisch, ebenfalls Faculty Member, gab einen Überblick über die Entwicklung der Stammzellforschung. Der Nachmittag ging in einer weiteren Spitzen-Forschungseinrichtung, gleich nebenan, über die Bühne: David Altshuler, Vize-Direktor am Broad Institute, begrüßte die deutschen Journalisten und stellte seine Forschung zu genetischen Ursachen von Krankheiten vor. Bei einem Rundgang konnten die Teilnehmer einen Blick in die Labore des Broad Institute werfen und den Forschern über die Schulter schauen.

Wie schneidet Deutschland im Vergleich zu den USA hinsichtlich der Rahmenbedingungen für Forscher ab? Was bewegt deutsche Forscher, in den USA zu arbeiten? Unter welchen Umständen wären sie oder ihre amerikanischen Kollegen nach Deutschland zu locken? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Eva-Maria Streier, ehemalige Leiterin des New Yorker Büros der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Auf dem Podium tauschten sich Ingrid Wünning Tschol, Direktorin des Bereichs Gesundheit und Wissenschaft der Robert Bosch Stiftung, und Tom Rapoport, Professor of Cell Biology, Harvard Medical School, über dieses Thema aus. Zudem berichteten mit Cornelia Kröger und Natalia Gebert zwei Stipendiatinnen des Leopoldina-Förderprogramms von ihren Erfahrungen als PostDocs in den USA. Die besondere Situation für Forschung in den USA arbeitete dann auch Ernst-Ludwig Winnacker, Generalsekretär der Human Frontier Science Program Organization in Straßburg, in seinem Vortrag „Die USA als Motor der Lebenswissenschaften“ heraus.

Der dritte Seminartag begann mit dem Vortrag eines Nobelpreisträgers: Jack W. Szostak, Department of Genetics, Harvard Medical School, warf einen Blick auf die Möglichkeiten der Synthetischen Biologie und auf den Ursprung des Lebens. Joseph F. Coughlin, Director MIT AgeLab, stellte im Anschluss die Forschung seines Instituts vor und präsentierte Ideen, wie sich Technologien auf den demografischen Wandel einstellen wie wir den dadurch in Gang gesetzten Veränderungen in der Gesellschaft begegnen könnten. Den Abschluss des Seminars bildete ein Workshop zur Zukunft des Wissenschaftsjournalismus. Peggy Girshman, Executive Editor, Kaiser Health News, Patrick Illinger, Ressortleiter Wissenschaft bei der “Süddeutschen Zeitung“, und William Kearney, Office of News and Public Information, U.S. National Academy of Sciences, wiesen auf die Herausforderungen des digitalen Wandels hin, zeigten neue Recherchemethoden und Darstellungsformen auf und stellten Erfolgsmodelle vor.

„Die Leopoldina hat sich zur Aufgabe gemacht, wichtige Themen aus der Wissenschaft an Politik und Gesellschaft zu vermitteln. Das Journalistenkolleg ‚Tauchgänge in die Wissenschaft‘ ist dafür ein idealer Kanal. Die Seminare haben gezeigt, wie wichtig es ist, dass Journalisten und Forscher aufeinander zugehen“, sagte Leopoldina-Präsident Jörg Hacker zum Abschluss des Kollegs. „Die Journalisten haben in den vier Seminaren der ‚Tauchgänge in die Wissenschaft‘ erfahren, wie dynamisch sich die Forschung entwickelt und welche Bedeutung diese Themen haben – nicht nur für die Forschung, sondern für uns alle.“ „Wir freuen uns, dass der besondere Ansatz unserer Weiterbildungsreihe so gut angenommen wurde“, ergänzte Ingrid Wünning Tschol von der Robert Bosch Stiftung. „Demnächst können wir bereits die nächste Runde zu einem neuen Thema starten.“

Hier gibt es eine Fotostrecke zum Seminar in Boston.