So verschenken Sie keine Lebensjahre

Freizeitwoche, 22. Oktober 2014

Kollegiaten berichten: Weshalb sterben die Menschen, woran und wann? Um diese Fragen zu beantworten, hat Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum zahlreiche Studien ausgewertet und die wichtigsten Risikofaktoren ermittelt. Petra Schrand, eine der Kollegiatinnen der „Tauchgänge in die Wissenschaft“, stellt die Ergebnisse in ihrem Beitrag vor.

Rauchen, trinken, dick sein – dass das nicht optimal ist, weiß jeder. Aber wie ein unsolider Lebenswandel sich nun genau auf die Lebenszeit auswirkt, haben Wissenschaftler um Professor Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) ausgerechnet. Sie nutzten dazu die Daten von knapp 12.000 Männern und rund 14.000 Frauen. Ausgangspunkt waren 40-Jährige. Zu diesem Zeitpunkt haben Frauen dann noch eine weitere Lebenserwartung von 48,7 Jahren, Männer von 47,5 Jahren – im Durchschnitt. Wer sich nun ungesund verhält, verliert Lebensjahre, die das DKFZ ganz genau beziffert:

  • 9,4 Jahre (Männer) bzw. 7,3 Jahre (Frauen) für starke Raucher, die über zehn Zigaretten pro Tag konsumieren
  • 5,3 Jahre bzw. 5,0 Jahre für schwache Raucher unter zehn Zigaretten am Tag
  • 3,5 bzw. 2,1 Jahre für Untergewicht mit einem BMI unter 22,5
  • 3,1 Jahre bzw. 3,2 Jahre für Übergewicht mit einem BMI über 30
  • 1,4 Jahre bzw. 2,4 Jahre für hohen Verzehr von rotem oder verarbeiteten Fleisch, also über 120 Gramm pro Tag
  • 3,1 Jahre bei Männern für starken Alkoholkonsum, das sind mehr als vier Drinks am Tag

Das ist schon schlimm genug. Diese verlorenen Jahre kann man aber auch zusammenzählen, wenn sich die Laster kombinieren. Ein übergewichtiger Mann, der gern Fleisch isst, raucht und trinkt, verkürzt seine Lebenserwartung, statistisch gesehen, um 17 Jahre! Professor Kaaks: „Es kommt früher und häufiger zu schwereren Erkrankungen. Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs, die Lungenkrankheit COPD – all das trägt zu der früheren Sterblichkeit bei. Und man muss ehrlich sagen: In den Jahren vor dem Tod sind viele chronisch krank.“

Rauchen ist dabei der schlimmste Lebenszeiträuber. Es verursacht nicht nur  Lungenkrebs, sondern schädigt alle Gefäße und begünstigt damit viele weitere Krankheiten. Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter.

„Oft werden wissenschaftliche Hinweise auf einen gesunden Lebensstil als erhobener Zeigefinger empfunden“. sagt Studienleiter Rudolf Kaaks. Dabei will er gar nicht moralisch sein. Der Epidemiologe hat mit seiner Gruppe viele Studien ausgewertet, um zu berechnen,  weshalb die Menschen sterben, woran und wann. „Das ist unsere Antwort – aber es sind nur Zahlen. Jeder kann sein Leben führen, wie er will. Jeder hat für sich persönlich eine andere Anwort auf die Frage: Wie genieße ich mein Leben am meisten?“ Für die einen ist das Fitness, Lebenslust aus Vitalität mit viel Bewegung und gesundem Essen. Die anderen verbringen lieber ihre Zeit mit Rauchen und Trinken auf dem Sofa.

Professor Kaaks: „Keiner muss gesund sein oder bleiben – aber jeder sollte sich bewusst sein, welchen Preis man für ein ungesundes Leben zahlt.“